Die Schuhproblematik


Die Absätze

Und ich meine dabei nicht die Absätze, die die weiblichen Formen zur Geltung bringen. Männer- und Sportschuhe haben alle einen kleinen Absatz. Ich fordere dich heraus, in einem Schuhgeschäft ein Paar Schuhe zu finden, die gar keinen Absatz haben (das heisst, dass die Ferse nicht höher als die Zehen sein darf). Das Problem mit dem Absatz, ist dass die Bewegungsamplitude im Fuss-, im Knie- und im Hüftgelenk verkürzt. Wenn dieses Bewegungsmuster oft wiederholt wird (und welche Bewegung wird öfter wiederholt als das Gehen?), verursacht es stets kleine kompensatorische Bewegungen in den Knien, in den Hüften, im Becken, in der Wirbelsäule hinauf bis zum Nacken. Genau wie dein Körper sich nach hinten neigen würden, wenn du einen Hügel heruntermarschieren würdest, gleicht sich deinen ganzen Körper bei jedem Schritt an, damit dein Blick auf dem Horizon gerichtet bleiben kann. Schuhe tragen, ist als würdest du dein Leben damit verbringen, einen Hügel hinunterzuwandern. Als ich im Gymnasium war, interessierte ich mich schon für solche Gesundheitsfragen und hatte mir ein paar Schuhe zugelegt, die von der Universität Lausanne entwickelt wurden, um diese negative Auswirkung auf unsere Gelenke zu kontern. Dieses Schuhwerk hatte nämlich verkehrte Sohlen, das heisst, dass die Ferse im Schuh tiefer lag, als die Zehen. Man hatte also erfunden, wie du den Hügel wieder hochlaufen konntest. Obwohl das Problem schon damals erkannt wurde, fand man es lukrativer den Leuten einen neuen Gesundheitsschnickschnack zu verkaufen, als sie in einer "natürlicheren" Art der Bewegung zu schulen. Die Lösung ist viel einfacher : Schuhe finden, die keinen Absatz haben. 

Das passiert mit deinem Körper, wenn du Absätze trägst, so tief sie auch sind. Jeder Millimeter eines Absatzes neigt dich von einem Grad nach vorne. Da du kein steifer Stock bist, kannst du diese Vorwärtsneigung durch deinen Nacken, deine Wirbelsäule, dein Becken, deine Hüften und deine Knie ausgleichen, damit dein Blick trotzdem den Horizont fixieren kann. (Dieses Bild stammt von einem Buch, das ich dir empfehle, wenn du English liest und an einem Leben ohne Schuhe interessiert bist: Bowman Katy. 2015. Whole body barefoot. Transitioning well to minimal footwear. Propriometrics Press. United States)

Ein weiteres Problem des Absatzes, so tief er auch sei, ist, dass dein Gewicht nach vorne geschleudert wird. Der Knochen der Ferse, Herr Calcaneus, ist ein sehr dicker, starker Knochen, der dafür gebaut wurde, 60% deines Körpergewichtes zu tragen. Die Familie der Metatarsen, die im vorderen Teil deines Fusses wohnen, sind schmalere und längere Knochen, die dafür gedacht sind, die überbleibenden 40% auszubalancieren. Mit einem Absatz unter der Ferse, wird dein Gewicht jedoch auf diese kleinen Knochen geschoben, vor allem der Knochen, der unter deinem Grosszeh sitzt, wird extremen Kräften ausgesetzt. Du musst wissen, dass ein Knochen seine Dichte erhöhen und sich verformen kann, wenn die Belastung auf ihn gross ist… und… tadahhhh! Ein schöner Hallux Valgus ! Dachtest du, dass dein Schiefer Zeh angeboren ist? Nicht wirklich.  


Ein kleiner Biomechanik-test

Wer geht am meisten Risiko ein, idem er/sie Absätze trägt?

Brauchst du einen kleinen Hinweis? Ok, dann bekommst du drei für den Preis von einem Absatz: 

 

1) Je höher der Absatz, desto weiter nach vorne ist unser Körper geneigt.

2) Je kürzer der Fuss, desto weiter nach vorne ist unser Körper geneigt.

3) Je länger der Körper, desto weiter nach vorne ist unser Körper geneigt.

 

 

 

Antwort: die grossen Menschen mit kleinen Füssen und die Kinder. Die jungen Kinder besitzen nämlich überproportional kleine Füsse verglichen mit ihrer Körpergrösse. Es ist demnach eine absurde Vorstellung, bei Kinderschuhe fast gleichhohe Absätze, wie bei Erwachsenenschuhe vorzufinden.